Festival Journal

A contemplative guide to Cologne

climbing

Als Einstieg in den Workshop erzählte der Graffitikünstler Javier Abarca von seiner eigenen Suche nach immer neuen Orten für seine Kunst, die ihn zu einem Experten für Stadtforschung machte. Dabei zog er Parallelen zwischen den Praktiken der Aktionskünstler der Situationisten, der Graffiti-Szene und den verhältnismäßig neuen Szenen wie den Geo-Cachern und den Urban Explorern und ihrer Beziehung zum Stadtraum.

Die Gemeinsamkeit besteht in den Streifzügen und der Aneignung von (urbanem) Raum, um die Orte aufzuspüren, die abseits der belebten Straßen und Wohngebiete liegen. Es sind verlassen Gebäude und Brachen in unmittelbarer Umgebung städtischer Infrastrukturen oder die davon umschlossenen Zwischenräume, ohne die das Leben und der ständige Fluss an Menschen und Waren undenkbar wären. Diese unattraktiven Orte locken nicht mit Konsumversprechen und neuen Reizen und bleiben deshalb terra incognita auf den imaginären Stadtplänen, die sich mit jedem unserer Wege – wie ein Puzzle aus Erinnerungen – in den Köpfen Stück für Stück zu einem Stadtbild zusammenfügen.
„Um möglichst bewusst, den eigenen eingeschlagenen Weg zum Ziel zu erleben“, erklärte Abarca, „gäbe es keinen gemeinsamen Startpunkt für die Touren“. Die Beschreibung des ersten zu findenden Ortes erhielten die Teilnehmenden als Nachricht auf ihr Handy und begannen dezentral ihren Weg, um am Ende auf die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu treffen.
Die erste Tour führte nach Ehrenfeld, auf den ehemaligen Güterbahnhof, einem brisanten Ort der Kölner Stadtentwicklungspolitik, dessen weitläufiges Gelände das bis vor kurzem noch Raum für verschiedene kreative und gemeinnützige Projekte bot. Am Ende des ersten Tages wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit einem phantastischen Blick über die Stadt belohnt.

Das Ziel des zweiten Tages war ein vermeintliches Niemandsland, isoliert vom Rest der Stadt durch die Bahntrassen, von denen es umringt wird. In einem Dickicht aus Pflanzen führten kaum sichtbare Trampelpfade zu einer verlassenen, kleinen Ansiedlung aus improvisierten Schlafstätten inklusive einer nahezu vollständigen Wohnzimmereinrichtung, die davon zeugt, dass solche, sich selbst überlassenen und fernab jeglicher Überwachung und Kontrolle liegenden Orte, die letzten Schlupflöcher und wirklichen Freiräume in einer ansonsten vollkommen erschlossenen Welt aus Beton und Glas bilden.

Get lost exploring…

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