Festival Journal

Retail Poisoning

Was wäre, könnte man die Saturns und MediaMarkts dieser Erde hacken und die Bildschirme, auf denen sonst der Wildlife-Kanal oder Planet Earth die Pixelpracht baldigen Elektroschrotts anpreisen, mit der Videokunst des eigenen Laptops speisen? Wie sähe man den Supermarkt, könnte man dort zu Hause hergestellte Artikel platzieren oder echte Erwerbigkeiten durch Fake-Produkte ersetzen?

Kritisieren beinhaltet in der Arbeit von Benjamin Gaulon immer auch ein Stören-müssen. Das Ergebnis: eine handfeste Möglichkeit, die taktierende Anweisung zur Veränderung.
Neben dem Akt der absichtlichen Deplatzierung, der unser Konsumverhalten und die Praktiken ganzer Industrien beleuchtet, erarbeitet Gaulon kinetische Installationen, Lightpaintings, beschäftigt sich mit dem Weiterverbrauch elektronischer Geräte oder hackt sich in kabellose Überwachungskameras.
In seinem Workshop Retail Poisoning diskutierte Benjamin Gaulon mit den Teilnehmern zunächst, was sie an der heutigen Konsumgesellschaft stört. Warum ist die Lebensdauer unserer elektronischen Begleiter immer kürzer? Wie kann es sein, dass lebenswichtige Ressourcen – wie Wasser – privatisiert werden? Ist es notwendig so viel Kleidung zu produzieren, dass selbst die Verkäufer den Überblick verlieren?

Im Anschluss wurde dann überlegt, wie man diese Kritik praktisch umsetzen kann – direkt am Point of Sale.
T-Shirts wurden im Einzelhandel gekauft, von der Gruppe verändert und im Anschluss wieder zurück in den Laden gebracht (Drop Lifting). Kameras zeigten kurze Videoclips, die darauf hinweisen, dass sie ein Ablaufdatum haben (Made to break). Ausgedruckte Pixel klebten auf Flachbildschirmen, Werbeanzeigen und Displays, um den Verkaufsraum zu stören (Dead Pixel) und öffentliche Wasserquellen trugen die Logos von Nestle.

 

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