Festival Journal

…in der Hängematte

Im Rahmen des Interacting Day des City Leaks Festivals, das im September in Köln Altstadt Nord stattfindet, hängt katharinajej am 8.9.17 eine Hängematte zwischen S-Bahnpfeiler und Straßenlaterne des Bahnhofs Hansaring auf. Menschen hasten zur S und U-Bahn, Autos rasen vorbei. Der Himmel ist grau. Der Boden vom Regen getränkt. Vor der Hängematte steht ein Schild: Geselle dich zu mir für einen Moment der Rast. katharinajej liegt in der Hängematte und wartet auf ihre Gäste.
…Nach einer Weile allein in der Hängematte, kommt eine junge Frau mit rot gefärbten Haaren zum Zopf gebunden, vielleicht knapp über 20 Jahre, direkt auf mich zu. Sie sagt sie hat gerade ihren Bus verpasst und hat jetzt Lust sich zu mir zu legen. Als sie neben mir liegt erzählt sie, dass sie selten in der Hängematte ist. Ihre Wohnung hat keinen Balkon. Die Möglichkeit rauszugehen geht ihr ab.
Es ist kalt, doch ihr Körper wärmt den meinen weil wir so eng zusammen liegen. Wir hängen unter des Dach des Bahnhofs. Vor Regen geschützt. Sie wartet auch auf gutes Wetter für ihren Fallschirmsprung. Der wurde aufgeschoben. Ich bewundere ihren Mut. Sie möchte mal wieder etwas Herausragendes in ihrem Leben machen.
Ich frage sie was sie in der Hand hält. Ein Glas das sie sich gerade gekauft hat um bei Tante Olga einzukaufen. Dort gibt es keine Plastikverpackungen. Sie hat sich vorgenommen so wenig Plastik wie möglich zu konsumieren. Und das ist gar nicht so leicht weil einige Produkte wie zum Beispiel Binden ausnahmslos in Plastik verpackt sind. Aber es fällt ihr leichter als vegan zu leben.
Dann fällt ihr der Bus wieder ein. Sie möchte gleich mal schauen ob er nicht bald kommt und verabschiedet sich.
Nach einer Weile legt sich ein Mann mit grauer Kappe und schwarzer Lederjacke zu mir. Er betrachtet die weißen Lamellen über uns und bemerkt das einige fehlen. Er stellt sich vor wie viele Taubenjungen dort schon zur Welt gekommen sind. Er kommt gerade von einer Probe in der er versucht clownesk einen Liegestuhl aufzuklappen. Er probt am eigenen Unvermögen. Während er erzählt spüre ich die Vibration seiner Stimme in seiner Brust. Gleichzeitig schubst er die Hängematte ganz leicht mit seinem Fuß an so dass wir sanft hin und her wiegen. Wir werden ruhig. Ihn erinnert das angenehme Wiegen an einen Bondageworkshop bei dem er gefesselt an einem Baum hing.
Ein zweiter Mann mit lila Pulli kommt zu uns in die Hängematte. Sie hält uns auch zu dritt. Ich bin von zwei Seiten gewärmt. Der Mann mit der grauen Kappe muss gleich zur Bandprobe. Auf deren Auftritte ist er öfter nackt, ganz nackt. Das überrascht den Anderen. Die Probe ist in Bonn und es ist an der Zeit aufzubrechen…

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